Aussehen. Gut.

Ich habe eine Krise. Nur eine kleine, kaum erwähnenswerte. Aber trotzdem. Ich bin genervt. Seit nun bald zwei Jahren, die ich so gut wie durchgehend schwanger oder im Wochenbett verbrachte, möchte ich mal wieder aussehen. Das „gut“ fehlt mit Absicht, auch wenn das das eigentliche Endziel ist. Aber vor allem möchte ich mal wieder irgendein erwähnenswertes Äußeres haben. Eine Frisur. Hübsche Fingernägel. Augenbrauen mit einer Form. Ich streife bewundernd durch all die Mutterblogs, in denen Mütter schreiben, wie sie es schaffen, gut auszusehen und das Haus in einem Zustand zu verlassen, der nicht als „zerstört“ oder „boykottiert“ zu beschreiben ist. Mache ich mir meine Haare, zehrt der Sohn mit Konzentration die die fragile Konstruktion haltenden Strähnen heraus. Habe ich ein hübsches Oberteil an, kotzt die Tochter bröckeligen Quark darauf oder aber der Sohn verwechselt mich mit einem Taschentuch und reibt Popel an mir ab, die Quadratzentimetergröße erreichen. Dank der Hormone versagt so gut wie jedes Deo, Trägershirts brauchen zur olfaktorischen Abschirmung immer auch eine Strickjacke, die die Umwelt halbwegs vor Ungemach bewahrt.

Aussehen also. Nicht für meinen Freund, auch wenn der sich sicherlich freuen würde, wenn ich meine Haare einmal wieder offen trüge oder mein rotes Kleid anzöge. Nein, für mich. Für das erhobene Kinn im Supermarkt, das Lächeln im Park, für das Gefühl, unbesiegbar zu sein.

Schritt 1: Die Haare sollen ab. Oder gefärbt werden. Oder beides. Haare sind immer gut, wenn es um das Gut-fühlen geht. Manchmal reicht auch eine Spülung, die nach Urlaub und Sonne riecht. Manchmal muss es aber auch mehr sein. Und „mehr“ meint: Es muss anders sein. Leider auch praktisch, weil ich ja selbst beim Pinkeln auf das Händeplatschen des Sohnes oder das empörte Schreien der Tochter achte. Und sowieso.

Die Gefahr bei praktischen Haarschnitten ist nur leider immer die, dass man einen Mutter-Haarschnitt bekommt. Den tragen die Frauen, die sich zur Vorweihnachtszeit zusammenrotten, mit Plastikbechern und kopfschmerzensüßen Pikolöchen in der Hand, den Beginn der Menopause diskutierend Bahnen stürmen und beweisen, dass sexuelle Belästigung ein nach schwerem Parfüm duftendes Gesicht hat, wenn sie ekelhaft joviale Witze in Richtung junger Männer machen, die meist mit „Aber ich könnte ja Deine Mutter sein“ enden. Meint: kurze Haare, auberginefarbend, freche Strähne am Pony, gern auch in blau.

Eigentlich genügt es sogar, nach Schritt 1 erst einmal zu enden. Mit der neuen Frisur kommt auch wieder die Lust, sich die Nägel zu machen und beim Rausgehen die vollgekotzten Klamotten zu wechseln. Die habe ich nämlich zurzeit einfach nicht. Also eigentlich schon. Aber… naja… Schlafen ist auch so schön.

Ich könnte mich natürlich auch damit begnügen, dass das geliebte Speikind 1 auch aus der Speiphase herauswuchs, dass die Rotzephase auch vorüber geht und ich dann, dann endlich, wieder Zeit für mich habe. Wie lange geht die Rotzephase eigentlich?

Nun muss ich mir aber erst einmal meine Brille putzen. Vor meinem rechten Auge befindet sich ein halber Kartoffelbrei-Handabdruck. Wir fangen mit den kleinen Dingen an und dann, dann suche ich weiter nach der perfekten Frisur für lange Haare und der besten Farbe, die mich gleich zwei Kinder jünger aussehen lässt.

 

 

 

 

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Ein Gedanke zu “Aussehen. Gut.

  1. Ja das kommt mir bekannt vor. Meine jungs sind auch nur 13 Monate auseinander, ich war also auch fast bei 2 jahren 😀 nun ist mein kleinster ein halbes Jahr und langsam fängt man an sich hin und wieder auch als Frau zu fühlen!!!😎 es wird deutlich besser!!!!😉

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