Die Mulke-Protokolle

Es ist Tag 1 nach der Geburt. Die Kaiserschnittnarbe tut weh, ich halte mich an den Holzstreben der Krankenhauswand fest, um irgendwie zum Malzkaffee zu kommen. Vor dem Fencheltee, den ich nicht wage anzurühren, stehen fünf Mütter. Ihr Thema: Die Dauer der Geburt. Es ist kein Erfahrungsaustausch, es ist ein Kampf um die längste Geburt, die meisten Schmerzen, den längsten Dammriss, die wenigsten Narkotika.

Mütter, das lernte ich schon in der Schwangerschaft, vergleichen. Es ist eine permanente Jagd nach der Bestätigung, eine gute Mutter zu sein, das beste und klügste Kind zu haben. Entspricht man nicht den ungeschriebenen Normen der Mutter- und Elternschaft ist man raus aus dem elitären Kreis der Vorzeige-Eltern.

Als würden Schlafmangel und Milchkotze im Ausschnitt nicht reichen, setzen Frauen sich noch zusätzlich unter Druck.

Ich möchte da nicht mitmachen. Und trotzdem, irgendwie kann man nicht entfliehen. Aber man kann es immerhin versuchen. Mit dem Kind im Tragetuch, der vollgeschissenen Windel in der Hand und den strähnigen Haaren, die gesprenkelt sind vom ehemaligen Mageninhalt des Sohnes.

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3 Gedanken zu “Die Mulke-Protokolle

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